Die Geschichte der Familie Nendel


Der Name Nendel ist germanischen Ursprungs und lässt sich anhand geschichtlicher Quellen und Auswertung von Ortsnamen im süddeutschen Raum lokalisieren. Das früheste Auftreten des Namens ist an der oberen Donau belegt. Der Ortsname Nendingen bei Tuttlingen weist indirekt auf die Existenz einer Person mit Namen Nendo oder Nendilo hin. Diese Namensform ist eine Zwischenform in der Entwicklung des Namens von der germanischen Urform bis zum heute anzutreffenden Familiennamen. Die Gründung und Benennung des Ortes wird zur Zeit der Alemannischen Landnahme angenommen, also zwischen 260 und 300 n. Chr. Der erste direkte Quellennachweis stammt aus dem Jahre 813. Im Traditionsbuch des Bischofs von Freising wird ein Zeuge mit Namen Nendilo erwähnt, der die Schenkung des Besitzes des Laien Ratold zu Zornkeltinga an den Altar der Heiligen Maria zu Freising bestätigt.
Spätere Ortsentstehungen ähnlichen Namens finden sich im Nordosten des Fränkischen Reiches am Main. Sie lassen sich für Nendelin Uraha, heute Stegaurach bei Bamberg, auf den Zeitraum zwischen 600 und 800, für Nenntmannsreuth, nordöstlich von Bayreuth gelegen, auf den Zeitraum zwischen 950 und 1150 datieren. In diesem Gebiet taucht auch der Familienname in seiner fränkischen Form Nentel auf. Im Jahre 1398 tritt der Landknecht Heinrich Nentel als Hausbesitzer und Lehnsmann mit beachtlichem Besitz in Trebgast bei Bayreuth in Erscheinung. Im Jahre 1421 wird er dort erneut belehnt. Zu gleichen Zeit betreibt Hans Nentel Landwirtschaft auf einem Lehngut des Markgraftums Brandenburg in Mistelbach bei Bayreuth. Mistelbach und Trebgast liegen nur wenige Kilometer von Nentmannsreuth entfernt, wo im ausgehenden 16. Jahrhundert ebenfalls eine Familie Nendel belegt ist. Im Süden von Stegaurach, nur eine Mainschleife westlich von Nentmannsreuth, ist der Familienname Nendel heute verbreitet. Das aktuelle Telefonbuch nennt 45 Einträge dieses Namens in Erlangen, Heßdorf, Hemhofen und Umgebung (Karte). Das sind 39% aller Einträge in Deutschland. Eine derartige Aggregierung findet sich sonst nirgends. Zurzeit wird davon ausgegangen, dass diese Großfamiliengruppe Nachfahren der im 16. Jahrhundert belegten Familien in diesem Raum sind. Diese These harrt jedoch noch der Überprüfung. Dass diese Nendels wiederum mit den Gründern der Orte Nendelin Uraha und Nenntmannsreuth in Verbindung stehen, ist wahrscheinlich. Demnach könnte die fränkische Großfamiliengruppe der Nendels auf eine über tausendjährige Geschichte zurückblicken, die allerdings aufgrund der unzureichenden Quellenlage aus dieser Zeit nie lückenlos belegt werden wird. Auf diese Großfamiliengruppe wird näher im Kapitel über die Nendels in Franken eingegangen
Ein zweiter Ballungsraum, in dem der Name Nendel außergewöhnlich häufig auftritt, liegt im Vorland des Erzgebirges (9% der Telefonbucheinträge). In den Kirchenbüchern dieser Region finden sich darüber hinaus mehrere hundert Einträge des Namens Nendel allein im 16. bis 18. Jahrhundert. Die ältesten Familien waren in den Orten um Leubsdorf (südlich von Föha) und um Frankenstein (westlich von Freiberg) ansässig. Der Name Frankenstein weist darauf hin, dass der Ort von fränkischen Siedlern gegründet worden ist. Im 12. Jahrhundert sind vermehrt Siedlerzüge aus Mainfranken in Richtung der neu ausgerufenen Siedlungsgebiete in den Ostmarken aufgebrochen. Etwa jeder zehnte Franke versuchte sein Glück auf diese Weise. In dieser Zeit hat vermutlich auch ein Mann, der den Namen Nendilo oder vielleicht schon den Familiennamen Nendel führte, das fränkische Kernsiedlungsgebiet am oberen Main verlassen und sich einem der zahlreichen Siedlertrecks in Richtung Osten angeschlossen. Sein Treck führte ihn am Fuß des Erzgebirges entlang bis ins Flöhatal, wo ihm vom Lokator, dem Treckführer, eine Hufe abgemessen und zugewiesen wurde. Dieser Landbesitz war die Kernzelle der Verbreitung des Familiennamens Nendel in Sachsen (Abbildung 1).
Dieses Szenario wird vermutlich nie belegt werden können. Dennoch handelt es sich dabei um eine Geschichte, die sich mit hoher Wahrscheinlickeit so zugetragen hat. Eine verwandschaftliche Verbindung der beiden Großfamiliengruppen wird deshalb angenommen. Sie zu bestätigen bedarf einer DNS-Analyse.

Abbildung 1: Die Verbreitung der Familien Nendel/Nentel in Südostdeutschland im 16. Jahrhundert und die vermuteten Pfade der
Ausbreitung entlang des Mains und über die Nordroute der fränkischen Siedlerzüge in die Ostmarken.


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